All about Eve (and Adam)

 

Das Wort Paradies bringt in mir, seit ich als Kind davon gehört habe, eine Saite zum Klingen. Es weckt in mir Sehnsüchte nach einem Leben in Einklang mit der Natur. Bilder von Gärten mit Tieren und nackten Menschen tauchen vor meinem geistigen Auge auf. Von einem Leben ohne Leid in Fülle. Gleichzeitig verbinde ich es mit dem Gefühl eines tragischen Verlustes, mit Scham, vielleicht einem schlechten Gewissen. Zeit wird mir gewahr: Endliche Lebenszeit, das mögliche Alter unserer Welt und, im Gegensatz zum momenthaften Glück, auch Ewigkeit. Aber was hat es mit dieser offenbar tief im Menschen verankerten Nostalgie nach einem verloren Ort des Glücks auf sich?

In meiner Serie „All about Eve (and Adam)“ hinterfrage ich die gesellschaftliche Sehgewohnheit und Voreingenommenheit in Bezug auf das öffentliche Zurschaustellen von Nacktheit. Die Arbeit bezieht sich auf den Ursprungsmythos, der von Problemen erzählt, die bis in unsere heutige Zeit Gültigkeit haben: das Annehmen des eigenen, unvollkommenen Körpers, Verletzlichkeit, Sterblichkeit. Der Wunsch nach Freiheit im Gegensatz zu Harmonie.

In unserer heutigen Gesellschaft versucht der Mensch seiner eigene, vermeintliche Unvollkommenheit durch digitale Manipulation zu entledigen. Daraus hat sich eine Darstellungskonvention entwickelt, an die sich fast alle Medien halten. Körper werden im Namen der Schönheit verändert, geglättet, verjüngt. In meinen Fotografien bleiben Haut und Körper bewusst unverändert. Meine Modelle beweisen Mut indem sie sich mit ihren normalen, teils alternden Körpern zeigen, obwohl sie nicht dem Typus entsprechen, dem alleine wir als Gesellschaft Nacktheit zubilligen.

Die Themen meiner Bilder gehen über das des Schönheitsdiktats hinaus. Mit einem Augenzwinkern erzählen sie etwas über Geschlechterrollen und beziehen sich dabei auf kunsthistorische Darstellungen. Die an klassische Malerei erinnernden Posen kontrastieren mit alltäglichen Szenerien.